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    Buddhismus in Bangkok

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Thais verehren den Buddha und die Mönche. Buddha-Statuen gelten als heilig. Auch die Geister der Ahnen werden verehrt. Obwohl Bangkok - die größte buddhistische Stadt der Welt - eine sehr moderne Metropole ist, sind Jahrhunderte alte Traditionen lebendig. Glaube und Aberglaube sind allgegenwärtig.

In Wat Pho, dem Schatzkästchen thailändischer Künste und Kultur, beginnt Ajahn Piyobhaso den Streifzug durch die Millionenstadt. Die märchenhaft schöne Tempelanlage wurde als ein Zentrum des Buddhismus und der Volksgesundheits-Lehre geschaffen. Vor eindrucksvollen Symbolen des Buddhismus erzählt der Mönch über das Leben und die Lehre des Buddha.

Buddhistische Grundsätze von bewusstem Handeln und von der Überwindung des Leidens begleiten den Rundgang durch die Oase der Ruhe mitten im brodelnden Großstadtverkehr.
Nicht nur die Sinne lassen sich im Wat auftanken, sondern auch körperliches Wohlergehen. Thai Massage ist eine Attraktion, die den Besuchern in keinem anderen Tempel geboten wird.

Aberglauben a la Thai kann man auf dem Amulett-Markt schnuppern. Dort werden Talismane aller Art feilgeboten. Den Glücksbringern haben buddhistische Mönche in geheimnisvollen Zeremonien kraftvolle Energien eingehaucht. Glück sollen auch die Geister bringen, die man mit huldvollen Tänzen auf der Strasse im Herzen der Metropole besänftigen möchte.
Verehrt wie eine Göttin wird der Geist von Nang Naak, einer jungen Frau, die vor mehr als 200 Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Und wer nicht an Wunder glaubt, der dürfte wohl eines Besseren belehrt werden, wenn er den Chao Praya Fluß zum Wat Phailom hinauffährt.

 

 

Bangkok: Geister, Mönche, und Buddhas

Wir sind im Herzen von Bangkok – in einer Oase mitten im lärmenden Berufsverkehr.

Hinter den hohen Mauern von Wat Pho herrschen Ruhe und Gelassenheit.

Es ist ein Ort voller Geheimnisse – ideal, sich von Lärm und Hektik der Stadt

zurückzuziehen.

Die Tempelanlage ist eine der berühmtesten, ältesten und eine der größten in

Thailand.

Beschreiben lässt sich das außergewöhnliche Wat lässt nur mit Superlativen.

Die Architektur ist hervorragend, die Ornamente sind einzigartig.

Goldene Dächer glitzern – auch wenn die Sonne nicht scheint.

Jahrhunderte lang haben Thailands Könige die besten Baumeister,

Kunsthandwerker und Künstler zum Bau, Ausbau und zur Instandhaltung der

Tempelanlage eingesetzt. Die Könige wollten Wat Pho nicht nur zu einem

buddhistischen, spirituellen Kloster ausbauen, sondern auch zum Zentrum der

Kunst und der Wissenschaften.

Heute beherbergen die vielen Tempelgebäude und das Kloster auf dem acht

Hektar großen Gelände eine erstklassige Sammlung thailändischer

Kulturschätze.

Die Versammlungshalle mit einer majestätischen Buddha-Statue wurde gebaut,

als Bangkok im 18. Jahrhundert die Hauptstadt wurde.

Thailands Gesellschaft ist stark vom Buddhismus geprägt. Buddha-

Figuren gelten als heilige Symbole, denen man Respekt entgegenbringt.

Einem Buddha darf man nicht die Füße entgegenstrecken.

Wer sich zusammen mit dem Buddha fotografieren lässt, muss die

Figur ansehen - und darf ihr nicht den Rücken zukehren.

Buddha-Statuen sind allerdings keine Götter. Die Figuren sollen die Gläubigen

ermahnen, nicht abzuweichen vom tugendhaften Weg zu einem guten Karma.

Die vielen Rituale der Buddha-Verehrung lernen Kinder im Tempel, lange bevor

sie in die Schule kommen.

In Wats, den Tempelanlagen, geht es weniger ehrfurchtsvoll zu als in christlichen

Kirchen. Man trifft sich im Wat. Buddhisten kommen hierher, um zu spielen, zu

lernen oder zu feiern.

In Wat Pho lassen sich Kunsthandwerke erlernen. Beliebt sind Zeichen-

und Malkurse. Hervorragende Künstler sind die Lehrer. Meist haben die

Motive buddhistische Bezüge.

Das Essen spielt eine zentrale Rolle im Leben der Thais.

Zu Jubiläen und Feiern werden Berge der herrlichsten Köstlichkeiten

aufgetragen.

Anlässe sind oft Erinnerungstage an die Ahnen: der zehnte Todestag des

Großvaters oder 20. Todestag einer lieben Tante.

Fast ebenso wie Buddha-Figuren werden Mönche verehrt. Selbst der

König verneigt sich vor ihnen.

Kahl geschorene Kindermönche – oft nicht älter als fünf – werden in Klöstern

ausgebildet, die überall im Land verstreut sind.

Die Novizen werden fast so sehr respektiert wie die erwachsenen Mönche. Auch

von ihren eigenen Eltern.

Thailändische Mönche sind eine Attraktion für Besucher aus dem Westen. Den

Männern im Safran-Gewand begegnen die Ausländer aber nur selten so respektvoll,

wie dies die Mönche von ihren Landsleuten gewohnt sind.


Allerdings hat nicht jeder die Chance, einen Mönch zu treffen, der

durch das Wat führt und die heiligen buddhistischen Sehenswürdigkeiten erläutert.

Jedes Wat hat einen Bodhi Baum – einen Ableger des heiligen Baums in Indien,

unter dem der Buddha, der Gründer dieser Weltreligion – erleuchtet

wurde.

Dem Buddha huldigen, ihn an dieser Stelle zu verehren, ist für viele ein

besonderes Anliegen. In Thailand hat sich der Theravada - Buddhismus

durchgesetzt, die Doktrin der Älteren, die als erste die Lehren des Buddha

aufgezeichnet haben. Theravada-Buddhismus kam vor 700 Jahren nach

Thailand. Aus Sri Lanka.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 1

„Der Baum hinter mir ist der Bodhi-Baum", sagt Ajahn Piyobhaso Bathsakorn.
Bodhi heiß Wissen – wissen um die Erleuchtung. Im Buddhismus ist der Bodhi-Baum ein heiliger Baum. Weil der Buddha unter einem Bodhi-Baum meditiert hat bis er erleuchtet wurde. Dieser Baum wurde vor vielen Jahren aus Indien hierher gebracht. Thais sind Buddhisten – und deshalb ist ihnen der Baum heilig. Leute kommen hierher, um den Buddha zu huldigen. Sie denken an die Tugenden des Buddha, an seinen Lehre und an seine Sanga, den Orden der Mönche."

Umgeben von märchenhaft schönen, goldenen Kunstwerken ist der Tempel, der

an die Erleuchtung des Buddha erinnert, ein besonderer Anziehungspunkt.

Im Innern thront eine vergoldete Buddha-Statue. Den Kopf des Buddhas umgibt

schützend die Haube einer Kobra.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 2

„Nach der Erleuchtung des Buddha setzte ein Unwetter ein. Kalter Wind, Moskitos, Insekten – und so viele Gefahren," erzählt Ajahn Piyobhaso. „Da kam der König der Schlangen, um den Buddha vor dem Unwetter zu schützen. Gegen Wind, Moskitos und Insekten. Er wickelte sich um den Körper des Buddha. Als dann der Regen vorüber war, löste er sich wieder und verwandelte sich in einen jungen Mann. Und der sprach dann mit dem Buddha."

In Wat Phos Kloster leben mehr als 500 Mönche. Ihre Aufgabe ist es, die

religiösen Prinzipien zu bewahren. Sie sollen Wege weisen, wie gute Buddhisten

ihr Leben gestalten.

Wat Phos Bibliothek ist ein Quell für Studium und Lehre. Ein Heiliger Ort.

Hierher kommen Mönche, um zu lernen.

In der Schriften-Halle sind handbeschriebene Palmen-Blätter ausgestellt. In

Pali, der Sprache der Suttas.

Zentrales Thema des Buddhismus ist die Frage, wie das Leiden überwunden

werden kann. Die Wurzeln des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.

Buddha lehrte den Weg zur Befreiung vom Leiden.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 3

„Das Haus der Bücher ist der Ort, an dem die Heiligen Schriften aufbewahrt werden. Die heiligen Bücher des Buddhismus heißen Tipitika. Das bedeutet 'Drei Körbe'. Die Körbe enthalten erstens Disziplin, zweitens Lehre und drittens Abidhamma . Abidhamma ist Metaphysik. Die buddhistische Lehre wurde in Pali verfasst. Wir Mönche," sagt Ajahn Piyobhaso, „müssen Pali lernen. Pali übersetzen wir in Thai. So können wir die Lehre verbreiten – im ganzen Land, besonders an buddhistischen Festtagen und an Sonntagen.

Chedis, verzierte Türme, symbolisieren den Gott-Status früherer Könige. In Chedis

werden Reliquien von Heiligen aufbewahrt: Asche, Knochen, Haare oder Zähne.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 4

„König Rama der Erste hat diesen Chedi bauen lassen, um darin Reliquien des Buddha zu bewahren. Es gibt mehr als ein Chedi. Denn mit den Chedis werden auch die Ahnen verehrt.“

Vor 150 Jahren hat König Mongkut, Rama IV., das Land geeint. Die

gemeinsame Sprache Thai und der Theravada-Buddhismus sollten das

Rückgrat der Nation sein. Mongkut war 27 Jahre lang Mönch, bevor er zum

absoluten Herrscher wurde. Er wollte die Religion reformieren -

einen Buddhismus, gereinigt von Magie, Göttern und Geistern. Allerdings hat

der König die Meditation außer acht gelassen. Meditation ist ein wesentlicher

Bestandteil des Theravada-Buddhismus.

Die Könige waren offen für kulturelle Einflüsse aus ihren Nachbarländern im

Norden und im Westen. Aus China wurden riesige Stein-Skulpturen nach Wat

Pho gebracht. Die eindrucksvollen Felsfiguren sind Wächter an den Eingängen

der verschiedenen Tempel-Sektionen.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 5

„Die chinesischen Statuen wurden während der Regentschaft des Königs Rama des Dittten aufgestellt. Der König liebte chinesische Kunst. Deshalb holte er eine ganze Menge dieser Skulpturen.“

Ajahn Piyobhaso führt uns zu einer der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten in

Thailand: zur Vihara des Liegenden Buddha.

Die glänzende Figur aus vergoldeten Ziegelsteinen ist 43 Meter lang und mehr

als zehn Meter hoch. Die Statue zeigt den sterbenden Buddha, bevor er ins

Para-Nirvana hinüberwechselt.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 6

„Als sich der Buddha zum Sterben legte, waren seine letzten Worte: Das Wissen, die Doktrin, die ich Euch beigebracht habe, werden Eure Lehrer sein, wenn ich nicht mehr bei Euch bin. Das heißt," sagt der Ajahn, „auch wenn der Buddha stirbt, lebt seine Lehre. In diesem Sinne lebt der Buddha.“

An diesem heiligen Ort spenden Gläubige für den Tempel – um Verdienste für

ein gutes Karma zu erlangen. Ein gutes Karma verspricht Vorteile in diesem

Leben und eine gute Wiedergeburt.

Diese riesige Statue wird als eines der modernen Weltwunder angesehen

und ist das Objekt geheimnisvoller Legenden geworden.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 7


„Zu Buddhas Lebzeiten gab es einen Riesen, der stolz auf seine überragende Größe war. Als ihm seine Freunde vorschlugen, er solle den Buddha besuchen, lehnte der Riese ab. Der Buddha sei doch ein Mensch mit einem kleinen Körper.
Später hat es sich der Riese anders überlegt. Als der Riese zum Buddha kam, ist der Buddha riesig groß geworden.“

 

In Wat Pho wurden medizinische Kenntnisse für die Nachwelt aufbewahrt. Besonders

die Armen, die sich keinen Doktor leisten konnten, sollten sich hier informieren.

Bilder an den Tempelwänden zeigen die Krisenpunkte am menschlichen Körper. Vor

150 Jahren wurde hier eine Schule errichtet, an der die Anwendung von

Heilkräutern gelehrt wurde. Von traditioneller Körper-Behandlung kann man hier

einen Vorgeschmack bekommen.

Ganz in der Nähe, am Kräuter-Berg, zeigt uns Ajahn Piyobhaso Eremiten in

Yoga-Positionen. Thais verehren Eremiten, weil sie weise sein sollen. Man sagt,

Eremiten wissen am besten, was dem Körper und dem Geist gut tut.

O-Ton Ajahn Piyobhaso 8

„Die Ahnen wussten Bescheid. Sie fanden heraus, dass man mit Yoga-Übungen Schmerzen überwinden kann. Yoga sollte man jeden Tag praktizieren“, betont der Ajahn. „Hier im Wat Pho können wir Yoga anwenden, um gesund zu bleiben.“

Yoga kam lange vor dem Buddhismus nach Thailand. Yoga hat seine Wurzeln

in der indischen Hindu Philosophie. Thais, die nach den Regeln des Theravada-

Buddhismus leben, betrachten Yoga-Körper-Praktiken als wünschenswerte

Ergänzung zu ihren geistigen Übungen.

In dieser ungewöhnlichen Atmosphäre kann man einen Hauch von Yoga

erleben. Hier kann man auch lernen, wie man Erkrankungen am Körper

vorbeugt und wie man Verletzungen behandelt. Der Schlüssel heißt

„Thai Massage“: Eine wirkungsvolle Therapie für verschiedene Symptome und

Krankheiten.

Von Kopf bis Fuß – der ganze Körper wird massiert. Meist eine Stunde lang.

Kopf-Massage gegen Kopfschmerzen und Migräne,

Fuß-Massage gegen Schmerzen in Knöcheln, Fersen und Zehen.

Grundlegende Techniken sind Druck auf besondere Punkte: Muskeln, Sehnen

und Adern.

Die Masseure pressen mit den Ellbogen,

den Daumen, den Händen und auch mit den Füßen.

Mönche werden selbstverständlich von Männern massiert. Den Frauen dürfen

Mönche nämlich nicht einmal die Hand reichen.

Vor allem Masseusen verhelfen den übrigen Kunden zum Wohlbefinden.

Der Yoga-Anteil bei der Thai Massage ist besonders das Strecken des Körpers.

Wenn die Wohltäterinnen ihre Kunden mit ihren starken Händen bearbeiten,

sitzen die Massage-Kunden auf einer Pritsche. Oder sie liegen – auf dem Bauch,

auf dem Rücken, auf der rechten Seite oder der linken.

Thai Massage wurde von Mund zu Mund, von Generation zu Generation

überliefert. Um den Wissensstand seiner Zeit zu bewahren, hat König Mongkut

verordnet, dass alle Massage-Phasen in einem offiziellen Gesundheitsbuch

gesammelt wurden. Die Texte waren nicht mehr im Dialekt, sondern in der

gemeinsamen Sprache Thai.

O-Ton Engländer

„Prima“, sagt dieser Engländer. „Es war das erste Mal."

Viele Masseure haben ihren Beruf in Wat Pho gelernt. Die meisten kommen wie

Pui aus fernen, armen Provinzen. Pui's Groß-Familie ist auf das Geld

angewiesen, das die junge Frau im Wat verdient – dem nicht alltäglichen

Tempel, in dem geistige und körperliche Anregung auf einzigartige Weise

angeboten werden.

„Brilliant. Leider zu kurz.“

Das ländliche Thailand reicht weit in die große Metropole hinein. Nicht nur

entlang der Klongs - den vielen Kanälen durch Bangkok - ist das

Übernatürliche allgegenwärtig.

Viele Thais folgen den Lehren des Buddha nur halbherzig. Der Buddha predigte,

keine Hilfe von den Geistern zu erwarten, sondern sich selbst zuhelfen. Doch

viele halten am Aberglauben fest, den sie von ihren animistischen Vorfahren

übernommen haben.

Im Wat Mahabut wird ein ganz besonderer Geist verehrt: Nang Naak, eine junge

Frau, die vor langer Zeit starb, als ihr geliebter Mann im Krieg war. Seitdem

spukt Nang Naaks Geist umher. Der Geist ist mächtig. Er kann sowohl Gutes

als auch Böses tun.

Auf einem Altar wird Nang Naak symbolisch mit Geschenken aller Art

überhäuft. Geister von toten Frauen können grimmig sein. Geschenke sollen

besänftigen und negative Kräfte in positive wandeln.

Geistergläubige bitten Nang Naak um Hilfe. Niemand hier spöttelt über

animistische Gepflogenheiten. Damit Nang Naaks Geist Wünsche erfüllt,

wird die Statue mit Gold bedeckt.

Vor ihrem Tod wurde Nang Naak vergewaltigt. Als Geist nahm sie Rache und

tötete ihre Peiniger. Weil sie ihren Mann so sehr liebte und wiedersehen wollte,

hat sie wie ein normaler Mensch weitergelebt.

 

Als ihr Mann endlich nach Hause kam, sagte man ihm, seine Frau sei tot und

treibe ihr Unwesen als ein böser Geist. Aber er wollte es nicht glauben. .

Eines Tages fiel Nang Naak eine Zitrone zwischen die Dielenbretter des

Bodens. Als Nang Naak ihren Arm fünf Meter lang streckte, um die Frucht

aufzuheben, musste der Ehemann seinen Irrtum erkennen.

Ein Hang vieler Mönche zum Übernatürlichen war damals so ausgeprägt wie

heute.

Die Geschichte einer großen Liebe, die über den Tod hinaus andauert, ist eine

Volkslegende und einer der populärsten Kino-Filme in Thailand.

O-Ton Chawian Tipwan, Astrologe

„Angst vor Nang Naak? Ja. Aber nur wegen des Films,“ sagt dieser Astrologe.
Zuerst war Nang Naak eine freundliche, beliebte, junge Frau. Als sie starb, gab es so ein paar Auseinandersetzungen - und auch ein bisschen Ärger. Der Film übertreibt aber. Nang Naak wird als gefährlicher Geist dargestellt, als ein furcherregender Dracula, der alle töten will.

Na ja, Thais haben Angst vor Geistern. Aber in Wahrheit ist Nang Naak nicht böse. Sie ist wie eine Göttin. Hier ist sie schon seit 220 Jahren. Sie hat Macht. Und sie hilft den guten Menschen.“

Viele Gläubige, die das Wat und den Geister-Schrein besuchen, wollen auch

zum Astrologen. Jeder will wissen, was die Zukunft bringt. Wann wird die

Hochzeit sein? Welcher Tag, welche Stunde ist günstig, um einen Vertrag

abzuschließen? Selbst die königliche Familie hört auf den Rat der

Experten, die den Lauf der Sterne kennen.

Von Astrologen hat der Buddha nichts gehalten. Wahrsager-Mönche in

Bangkok rechtfertigen aber ihre Wahrsagerei damit, dass sie den Menschen helfen,

mit ihren Leiden besser umzugehen.

Geheimnisvolle Bäume gelten als Wohnstätten der Geister. In bunte Tücher, die

um die Bäume gewickelt werden, steckt man kleine Wunschzettel und hofft,

der Geist möge Einsicht haben.

Der Baum neben dem Schrein von Nang Naak gilt als besonderer Glücksbringer.

Wer neben der Borke intensiv reibt, der könnte die richtige Glücks-Zahl für die

Lotterie entdecken!

Der alte Baum, vor langer Zeit vom Blitz getroffen, hat die meisten Besucher

am Tag, bevor die Gewinnzahlen ermittelt werden.

Unter den Hilfesuchenden sind auch viele junge Männer, die nicht Soldat werden

wollen. Sie zählen auf Nang Naak, weil sie ja die Armee auch nicht mochte.

Der Aberglaube blüht im Wat Mahabut. Aber auch buddhistische Tugenden

kommen nicht zu kurz. Der Tempel ist bekannt für gute Taten, die sich im

guten Karma niederschlagen sollen. Man kauft lebende kleine Tiere und befreit

sie aus der Gefangenschaft.

Eine buddhistische Nonne segnet die Lebewesen und seine wohltätigen Käufer.

Leben und Wohlergehen aller Kreaturen - ob groß oder klein – sollen geschützt

werden. Der Buddhismus propagiert Gewaltlosigkeit. Liebende Güte gegenüber jedem

Lebewesen, das atmet, ist eine wichtige buddhistische Leitlinie.

 

„Gutes-Karma-schaffen" durch gute Taten - am Geister-Schrein von Nang Naak - ist

besonders bei jungen Paaren beliebt.

 

Sie sind enttäuscht, wenn sie herausfinden, dass die Freiheit, die sie den

hilflosen Tieren geschenkt haben, schon nach wenigen Minuten wieder in der

Gefangenschaft endet. Ihre Fische und ihre Schildkröten werden

eingefangen und verkauft. An andere Gläubige, die ebenfalls Verdienste

ansammeln wollen - für ein gutes Karma.

Mit etwa 10 Millionen Einwohnern gehört Bangkok zu den

bevölkerungs-reichsten Städten in der Welt. Wie in alten Zeiten, als die Kanäle

noch die besten Verkehrswege waren, um von einer Seite der Sümpfe zur

anderen zu gelangen, sind die Wasserwege auch heute wieder die schnellsten

Verkehrsverbindungen in Bangkok. Wer nicht stundenlang im Stau auf den

Strassen verbringen will, nimmt ein Express-Boot. Schiffs-Anlegestellen sind

meist neben einem Wat.

Buddhistische Mönche reisen gratis. Und jeder freut sich, wenn Mönche mit an

Bord sind. Mönche, so heißt es, sind die Garantie dafür, dass keine Unfälle

passieren. Dieser Glaube mag seine Ursache darin haben, dass das einfache und

tugendhafte Leben der Mönche in den Klöstern – geregelt von 227 Geboten -

den Ordensmännern ein so gutes Karma verschafft hat, dass ihnen nichts

Böses zustößt. In öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es reservierte Plätze für

Mönche, von denen sie aber nur selten Gebrauch machen.

Jeder buddhistische Mann soll einmal im Leben Mönch sein – zumindest für

kurze Zeit. Für die Safran-Robe entscheiden sich viele junge Männer vor ihrer

Heirat. Sie können selbst bestimmen, wie lange sie Mönch bleiben: nur ein paar

Tage oder gar ein ganzes Leben lang.

Bangkok ist die größte buddhistische Stadt der Welt. Weil sich die Metropole

in den letzten Jahren unverhältnismäßig schnell entwickelt hat, ist sie für die

arme Landbevölkerung besonders attraktiv geworden. Bangkok hat heute mehr

als doppelt so viel Einwohner wie vor 50 Jahren.

 

Die meisten Thais leben auf dem Lande. Einen Grossteil ihrer Reisernten

schiffen sie den Chao Praya – Fluss hinunter. Bangkoks Hafen ist einer der

größten Güter-Umschlagplätze Asiens. Importware kommt vor allem aus

Japan, China und Amerika. Export-Güter gehen besonders nach Indien, Europa

und Australien.

Ein großer Anteil des Außenhandels wird in Bangkoks chinesischen und

indischen Vierteln abgewickelt, die das Flussufer säumen. Die engen

Geschäftsbeziehungen, die thailändische Chinesen und Inder mit den

Heimatländern ihrer Vorfahren unterhalten, kommen der Wirtschaft zugute.

Politisch war Thailand erfolgreich, seine Unabhängig zu behalten. Anders als

China und Indien konnte Thailand die Versuche der Kolonialmächte abwehren,

das Land zu besetzen,. Bangkoks Königliche Paläste gelten als Symbol für eine

unabhängige Nation.

Ganz in der Nähe der Paläste kann man Amulette kaufen, die Schutz,

Problemlösung und Glück versprechen.

Für viele Thais sind Amulette fast ebenso wichtig wie Buddha-Statuen.

Amulette haben ja die Kraft, Übel und Gefahr abzuwehren, glaubt man. Jeder
Talisman hat ganz spezielle Wirkungen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat die Regierung an Soldaten im

Krieg Amulette ausgegeben. Die Kämpfer sollten davon überzeugt werden, dass

sie unversehrt nach Hause kämen.

Woher die Energie in Amuletten kommt, ist höchst geheim. Amulette setzen

sich aus wertvollen Edelsteinen oder Heilkräutern zusammen - oder gar Asche

von Heiligen Mönchen, die verbrannt wurden. An besonderen,

glückverheißenden Tagen treffen sich einflussreiche Mönche, um die Amulette

mit positiver Energie zu laden. Während der mehrtätigen Zeremonie singen die

Mönche Verse des Buddha.

Was dem flüchtigen Beobachter als obszön erscheinen mag, sind Fruchtbarkeits-

Amulette. Wer an übernatürliche Kräfte glaubt, steckt sich die Figuren ins Haar oder

trägt sie an einem Faden um die Hüfte.

 

Den Talisman-Handel haben in Bangkok mehr als 500 Kaufleute zum

florierenden Geschäft gemacht. Je älter das Amulett, je berühmter der Mönch,

der es mit Energie geladen hat, desto teurer ist es.

Große Geheimnisse über die Entstehung der Amulette, die sich jeder leisten

kann, gibt es freilich nicht. Einige werden direkt auf dem Markt hergestellt. Oft

von den Verkäufern selbst.

Diese Amulette bestehen nicht selten aus hölzernen Rahmen, in die Edelsteine,

oder Steine oder Ton-Figuren eingelassen werden – oder auch Bilder des

Buddha und von berühmten Mönchen.

Die meisten Käufer nehmen ihre Amulette dann mit in den Tempel, um sie von

einem Mönch segnen zu lassen.

O-Ton Ajahn Lekh Sripronot

“Das ist kein wahrer Buddhismus. Der Buddha hat nie gelehrt, daß wir glauben
sollen,“ bekräftigt Ajahn Lekh Sripronot. „Der Buddhismus stammt aus einer anderen Gegend, aus der Hindu-Welt. Hinduismus hat animistische Wurzeln.
Seriöse Buddhisten glauben nicht. Allerdings gibt es auch bei uns Leute, die an Hindu-Götter glauben und einen Ausgleich mit dem Buddhismus suchen.“

Die Frage, warum Mönche Amulette weihen, beantwortet der Ajahn pragmatisch. „Das ist eine Methode, um die Leute in den Tempel zu bekommen.
Und dann predigen wir Moral. Zum Beispiel: Sie haben ein Kind, das nicht lernen und nicht arbeiten will. Da müssen Sie Anreize schaffen. Man gibt, damit man bekommt.“

„Nicht alle Buddhisten haben genug Zeit, um oft in den Tempel zu kommen. Den Termin, wann wir die Amulette segnen, erfahren die Leute. Und sie sagen sich: Ich muss in den Tempel. Wenn sie dann kommen, gibt ihnen ein Mönch ein Amulett. Als Erstes. Und dann predigt der Mönch.“

Also: Amulette als Köder für den Tempelbesuch?

„Ja!“
.
Die Mega-City mit ihrer hochgestochenen Architektur des 20. Jahrhunderts erweckt

den Eindruck, die Menschen seien sehr modern. Sind sie auch. Aber nur zum Teil. Ihre

Verwurzelung in Aberglauben und Hindusims ist auch in der City sichtbar .

Inmitten brodelnden Verkehrs steht der Schrein des drei-gesichtigen Hindu-Gottes

Brahma, des Schöpfers des Universums. Hierher kommt man, um der Gottheit zu

huldigen – und auch um den Geistern Reverenz zu erweisen,

auch um zu beten, dass Wünsche erfüllt werden.

 

Farbenfreudige traditionelle Tänze verwandeln den Bürgersteig in eine Theater-

Bühne.

Der Schrein, der mit Geschenken überhäuft wird, erscheint vielen magisch.

Ursprünglich war hier ein Geisterhaus. Das Glück bringen sollte beim Bau eines

Hotels. Als aber mehrere Unfälle passierten, hat man das Geisterhaus durch

diesen eindrucksvollen Hindu-Schrein ersetzt. Danach gab es keine Unfälle

mehr. Der Schrein würde berühmt. Und die Bevölkerung kam in Scharen, um

öffentlich Versprechen abzulegen.

Räucherstäbchen werden an immer-brennenden Laternen angezündet.

Die Stäbchen in beiden Händen vor der Stirn - verneigen sich die Gläubigen vor

der Gottheit. Sie vollziehen den Wai, die traditionelle Geste, die Respekt

bezeugt.

Viele knieen nieder, um dann minutenlang in ruhiger Besinnlichkeit zu verharren.

Sie bitten die Geister, sich ihrer persönlichen Probleme anzunehmen. Manche

legen ein Gelübde ab. Sie versprechen, in Zukunft Gutes zu tun, den

Gebrechlichen und Kranken zu helfen oder freundlicher zu ihren

Nachbarn zu sein. Viele bitten die Geister um Glück beim Lotterie-Spiel. Wenn

sie gewinnen, versprechen sie, wollen sie für den Tempel spenden.

Auch viele der Kurzzeit-Mönche kommen mit ihren Problemen hierher. Und niemand

stößt sich daran.

Unter den Geschenken, die den Hindu-Gott und die Geister besänftigen sollen,

sind auch Schweineköpfe. Sie symbolisieren Menschenopfer, ein Ritual, das es

schon lange nicht mehr gibt.

Weihwasser soll vor bösem Einfluss schützen.

Für ein paar Baath kann eine Tanzgruppe engagiert werden, die als Medium

Zugang zu den Geistern hat – und die Anliegen ihrer Auftraggeber direkt

überbringt.

Es scheint, dass die Geister wie manche Menschen sind. Man kann sie

bestechen. Und sie mögen Tanz und Musik.

Es gibt gute Geister – wie die der meisten Vorfahren – oder der Geist der guten

Ernte oder der Geist, der Regen in der Dürre bringt.

Die bösen Geister, so sagt man, sind von Menschen, die nicht wiedergeboren

werden können.

Wenn Schiffe an Geisterhäuschen vorbeifahren, die an vielen Flussufern stehen,

verlangsamen sie oft die Fahrt. So huldigen sie dem Fluss-Geist, der in seinem

Terrain besondere Kräfte hat. Mit Tuch-Gebinden erweisen die Menschen, die

hier wohnen, ihre Reverenz. Der Fluss-Geist, so hofft man, bewahrt vor

reißenden Strömungen, Hochwasser oder Dürre.

In den Vororten Bangkoks waren die Veränderungen des letzten halben

Jahrhunderts weniger gravierend als in der Innenstadt. Da es nur wenige

Brücken über den breiten Chao Praya-Fluss gibt, sind die Menschen draußen

vor der Stadt auf Fähren angewiesen.

Im Großraum Bangkok gibt es mehr als 400 Wats. Eines der merkwürdigsten ist

Wat Soi Thang.
In diesem Tempel wird eine Katze mit zwei unterschiedlichen Augen verehrt.

Katzen sollen Glück bringen.

Heiliges Wasser im Messingbecher soll helfen, wenn sich die Gläubigen auf ihre

Wünsche konzentrieren. Der Abt des Klosters leitet die Zeremonie. Er

verbindet buddhistische Rituale mit den Lehren des Buddha.

Ein weißes Tuch bedeckt alle im Saal. Das Tuch hält die bösen Geister ab. Die

Übergänge von Buddhismus zum Aberglauben und zur Verehrung glückbringender

Tiere sind fließend.

Siamesische Katzen wurden früher als Tempel-Wächter gehalten - lange bevor

Siam den neuen Namen Thailand erhielt. Die Katzen bewachten

Heilige Schriften, die immer wieder von Ratten angefressen wurden.

Katzen, so der Aberglaube, haben direkten Zugang zum Buddha.

 

Wenn dann der Abt mit Heiligem Wasser segnet, ist die Zeremonie im Tempel-

Inneren beendet.

Viele Besucher, indes, fahren fort mit den Huldigungen. Sie ziehen weiter zum

Lotus-Teich im Garten des Wats. Lotus ist mystischen Ursprungs. Im

Buddhismus bedeutet Lotus soviel wie Reinheit des Körpers, der Sprache und

des Geistes. Die Lotusblüte erhebt sich über den Sumpf von Begierde und

Verblendung.

Wat Voranchanjawas verbindet buddhistische Spiritualität mit sozialem

Engagement. Der Tempel ist auch eine Art Volkshochschule. Fachleute

führen ihre arbeitslosen Nachbarn gratis in die Berufswelt ein. Im Musik-Kurs

lernt man, traditionelle Musikinstrumente zu spielen. Es sind meist Saiten-

Instrumente, die entweder wie ein Xylophon geschlagen – oder gestrichen

werden wie eine Geige.

O-Ton Instrumente

„Kiem, So-u und Sa-o Duang - alles Violinen.

In Thailand kennt man mehr als 50 traditionelle Musikinstrumente – darunter

auch Flöten und Gongs. Thai Musik ist im Zweiertakt und entwickelt sich

von langsam, zu fröhlich bis schnell.

 

Bei jungen Frauen sind Friseurkurse beliebt. Begonnen wird mit

Modellen. Schneiden und Kämmen und Styling und Trocknen wird

zunächst mit diesen weniger empfindlichen Köpfen geübt.

Die Lehrlinge, die schon mehr Erfahrung haben, arbeiten mit echten

Kundinnen, die auch deshalb in den Tempel kommen, weil die neue Frisur hier

nichts kostet.

Das Haar-Studio im Tempel ist nicht alltäglich. Aber Sorgen darüber, ob ihre

Sozialarbeit ins Leere zielt, brauchen sich die Mönche nicht zu machen.

Angeboten werden auch Näh-Kurse. Frauen lernen Zuschneiden und Nähen.

Die Kleider und Hemden, die sie fertigen, nehmen sie mit nach Hause.

Junge Männer können hier lernen, defekte Haushaltsgeräte zu reparieren.

Ihre Werkzeuge mögen nicht dem letzten Stand der Technik entsprechen. Das

macht aber der engagierte Einsatz der Lehrer wett.

Dekoration als Kunst ist weit verbreitet in Thailand. Der Kurs, in dem man

lernt, wie Obst als Tischdekoration verziert wird, ist besonders gefragt. Jede

Frucht, besonders Mango und Melone, wird zu einem essbaren Kunstwerk

geformt. Eine Lehrerin unterrichtet ihre Nachbarinnen, die wie sie arbeitslos

sind. So werden Grundlagen für einen künftigen Job geschaffen, den Frauen

auch zu Hause ausüben können.

O-Ton Lehrerin

„Ich brauche einen besseren Job,“ sagt die Lehrerin. „Wir hier alle hätten gern einen Job in einem Restaurant. Manchmal können wir unsere Obst-Gebilde als Dekoration bei einer Party ausstellen.“

In einer Stadt, in der Skulpturen allgegenwärtig sind, darf ein Kurs nicht fehlen,

in dem man Gipsfiguren herstellt. Wenn die Masken trocken sind, werden

weiße Figuren freigelegt: Oft kleine Tiere oder Nippes. Keine Buddha-

Figuren!

Buddhas sind heilig. Buddhafiguren werden nur unter strengen Regeln von

Spezialisten hergestellt.

Im Gipskurs werden die Figuren mit Farbe behandelt.

Wenn sie trocken sind, stehen sie zum Verkauf.

Bangkok, die urbane, die ländliche, die magische Stadt.

Eine Stadt, in der wirklich Wunder geschehen.

Wenn Sie nicht an Wunder glauben, besuchen Sie doch mal Wat Phailom am

Ost-Ufer des Chao Praya – Flusses!

Die Mönche sagen, der Boden ihres Wats sei außergewöhnlich fruchtbar.

Ihre Teiche sind fischreicher als die der meisten anderen Tempel-Anlagen.

In Wat Phailom trifft man meterlange Welse an, die anderswo vom Aussterben

bedroht sind. Dies ist aber nicht die einzige Attraktion.

 

Wat Phailom ist berühmt vor allem für seine Störche.

Sie nisten auf jedem Baum des großen Tempel-Areals. Auf den größeren

Bäumen leben mitunter mehrere Dutzend Familien. Kein einziger Storch

lässt es sich einfallen, sein Nest außerhalb der Tempel-Anlage zu bauen.

Jedes Jahr im November kommen 40 000 Störche aus Nord-Indien und Bangla

Desh. Hier brüten sie und ziehen ihre Jungen auf. Bevor der Monsun im April

einsetzt, fliegen die Störche zurück. Und wenn sie im November

wiederkommen, gibt es nicht einen einzigen, der sein Nest außerhalb von Wat

Phailom baut.

Suchen die Störche die Nähe zum Buddhismus? Viele Thais sehen das so.

Die Vögel trachten nach Sicherheit. Wie die Menschen wollen alle Kreaturen ihre

Jungen in einer geborgenen Umgebung aufziehen, in der sie sich gefahrlos

entwickeln können.

Die Mönche hier erzählen gern die Geschichte vom Buddha, als er noch ein

Junge war. Er hat einer Gans das Leben gerettet, die von seinem Cousin beim

Jagen angeschossen worden war. „Heute beschützt der Buddha die Störche im

Wat Phailom,“, sagen die Mönche. „Hier wagt niemand zu jagen.“

Mit den Jungen im Nest sind die Eltern vor allem mit der Nahrungssuche und mit

Füttern beschäftigt. Während die Mutter die Kleinen vor der sengenden Januar-Sonne

schützt, sammelt der Vater Frösche in den Reisfeldern und Sümpfen, die das Wat

umgeben.

Die jungen Störche können schon nach sechs Wochen fliegen. Wenn sie stark

genug sind für die lange Reise über den Ozean, verlassen sie ihren Geburtsort im

Wat.

 

Wenn die eleganten Vögel durch die Lüfte gleiten, werden Sehnsüchte nach Freiheit

wach.

Freiheit ist die Essenz des Buddhismus.

Wir denken an den Buddha und nehmen uns vor, loszulassen.