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Wege zur Erlösung

   
 

 

 

 

Auf dem indischen Subkontinent leben mehr als 1,2 Milliarden Menschen. Etwa 800 Millionen sind Hindus. Mehr als eine Million von ihnen sind Sadhus.

Die "Heiligen Männer" haben ihr Leben den Göttern geweiht. Als Wandermönche ziehen sie Land auf Land ab von Tempel zu Tempel. Sie streben nach Moksha, nach Erlösung aus dem leidvollen Zirkel von Geburt-Tod und Wiedergeburt. Ihr Weg nach Moksha ist Askese. Sie fristen ein Leben in Armut. In der Bevölkerung geniessen sie hohes Ansehen.

Die Religion der Hindus ist kein Vielgötter-Glaube, sondern eine monotheistischer Glaube. Da es keine zentrale Autorität gibt, ist Hinduismus kein fest umrissenes Bekenntnis. Er entzieht sich jeder klaren Definition.

Die Sadhus haben mit ihrem einst bürgerlichen Leben total gebrochen. Ihr Credo sind Meditation und Yoga. Sie praktizieren sexuelle Enthaltsamkeit. Hinter ihnen liegen Lehrjahre bei einem Guru, dem sie bedingungslos folgen mussten. Am Ende der Lehrzeit wird in einer geheimen Zeremonie der eigene Tod inszeniert. Erst nach einer symbolischen Bestattung und der Neugeburt darf sich der Guru-Jünger Sadhu nennen.

Um den Göttern zu huldigen kommen tausende von Sadhus verschiedener Sekten alle drei Jahre an heiligen Orten zusammen. Unter die Sadhus haben sich auch Bettler und Scharlatane gemischt, die nur vorgeben, religiös zu sein. Die beliebtesten Treffpunkte der "Heiligen" sind die Ufer des heiligen Flusses Ganges. Besonders beliebt ist Varanasi, die Stadt des Gottes Shiva.

Varanasi, das die Beamten der britischen Kolonialmacht Benares nannten, ist eine der ältesten Städte der Welt. Um ihre Entstehung ranken sich Legenden. Sati, die erste Frau des Gottes Shiva, hat sich das Leben genommen. Shiva trauerte so sehr um seine Geliebte, dass er sich von ihrem toten Körper nicht trennen wollte. Aus Mitgefühl mit Shiva hat Gott Vishnu Satis Körper der Verwesung freigegeben. Als Satis Glieder vom Himmel fielen, traf ein Auge das Ufer des Ganges. An diesem Ort entstand Varanasi.Ein Bad im Ganges soll von den Sünden befreien und eine gute Wiedergeburt bringen. In Varanasi lodern die Feuer der Toten-Verbrennungen Tag und Nacht.

Sadhus werden nicht verbrannt. Ihre Leichname werden oft den heiligen Wassern des Ganges übergeben. Die meisten Sadhus werden allerdings beerdigt.

Einen ganz anderen Weg, zu Moksha zu gelangen, weist der Tantrismus. Diese hinduistische Glaubensrichtung hatte vor 1000 Jahren ihre Blüte und wirkt noch heute fort. Damals war die Tempelprostitution allgemein üblich. Junge Mädchen wurden symbolisch mit einer Göttin verheiratet und zur Prostitution verpflichtet. Tantrismus soll das menschliche Bewusstsein erweitern. Durch tantrische Praktiken sollen geistige Kräfte gefördert werden. Freuden dieser Welt sollen nicht gemieden, sondern aktiv erlebt werden.